BEX-104 Kleopatra- ihre Geschichte und Kreuzungen mit ihr.
Hallo zusammen!
Bevor ich über die BEX 104 Kleopatra berichte, gönnt mir ein Wort zuvor:
Zitat:
Zitat von
Bernhard
Ich persönlich finde den Wortfluß und die Dialoge eines Threads völlig gestört, wenn jeder dort beliebig seine Postings korrigieren kann.
Nicht nur das ist mehr als störend! Warum machen manche mit ihren Quengeleien, Streitereien und teilweise auch Angriffen, diverse Threads kaputt!
Spätestens dann, wenn es nicht mehr sachlich bleibt, wenn vom Thema abgeschweift wird und wieder jemand seiner Profilierungssucht, seinem (manchmal) zweifelhaftem Humor, oder seiner schlechten Laune nachgeht, wechsel ich den Thread. Und mit mir sicherlich auch andere.
Aus anderen Foren weiß ich wohin solche Entgleisungen führen. Wirkliche Interessenten, Leute die sich mit dem Thema Kaktus und seiner Bedürfnisse befassen wollen, Liebhaber die einfach nur mehr Infos über ihr Hobby erfahren möchten, wandern ab.
Das verleiht d(ies)em größtem deutschen Kakteen-Forum einen schalen Beigeschmack.
Ich appeliere an die Quertreiber ihre Beiträge vor dem Absenden noch einmal zu kontrollieren hinsichtlich ihrer Aussage.
So, genug eingemischt. ist sonst ja nicht mein Ding, aber da es um die BEX 104 ging, habe ich mal meinen Senf dazugegeben, und versucht meinen (und damit stehe ich bestimmt nicht alleine) Standpunkt zu verdeutlichen.
Back to the roots:
Hier ging es um die BEX 104 Kleopatra!
Zweifelsohne ist diese Echinopsis die "schönste" BEX Hybride in den Augen vieler Sammler und Züchter. Ich reihe mich da auch ein.
Ich habe vor 3 Jahren bei ibäääh noch für ein Kindel 120 Euro bezahlt.
Jetzt werden viele wieder schlucken. Verständlich! Is´ ja auch ein Happen Geld. Seinerzeit jedoch war ich noch so verrückt! Heute würde ich es glaub ich auch nicht mehr machen. Glaub ich....
Ich weiß von einem Bekannten daß bei dem Auktionshaus u.a. auch Briefmarken etc. angeboten werden. Dieser sagte mir, daß dort Preise vom bis zum 10-15 fachen des Michelkatalogs erzielt werden. Teilweise noch mehr.
So sind die Sammler eben: süchtig, gierig, .....bescheuert!!!
Mittlerweile habe ich für meinen Teil die BEX 104 genügend vermehrt und meinen Einsatz wieder raus. Man kann sie übrigens auch dieses Quartal in meinem Shop gewinnen. Jedes Quartal wird unter allen registrierten Kunden eine Top-Hybride verlost. Nächstes Quartal gibts die Gräsers Schönste.
Nun zu den Eigenschaften der BEX-104 Kleopatra.
Sie entstand aus der Kreuzung: EH Schick 344-4 Afterglow x EH BEX 163 "BS.150-13"
Die BEX 163 "BS.150-13" ist eine sogenannte "Rosa-Tulpe Hybride". Die rosa Tulpe gehört zu den Echinopsen mit halbgefüllten Blüten. Sie wurde von Herrn Schreiber gezüchtet. Zu den Eigenschaften der Rosa Tulpe gehört neben den breiten, gezahnten Petalen auch eine sehr stabile Röhre, sowie mehrere Blütenblattreihen. Nachteile sind: sie hat recht kleine Blüten und vererbt sehr domiant ihre weiß-rosa Blüte.
So bekam auch die BEX 163 "BS.150-13" (in Anführungszeichen die Kreuzungsnummer) ihren weiß-rosa Touch, allerdings mit gelber Mitte.
In diese schöne Blüte wollte der Züchter mehr Farbe bringen und kreuzte in die Afterglow eben diese Hybride ein. (Kreuzungsnummer BS574)
Aus vielfältigen Gründen konnte der Züchter sich kaum um diese Aussaaten kümmern, und verlor bis auf 1 alle anderen Sämlinge. Dieser eine jedoch konnte auch nur mittels Teil-Pfropfung überleben. Bevor diese jedoch kindelte, dankte sie dem "Meister" schon einmal mit einer Blüte.
Diese war ungemein schön. So schön wie es der Pharaonin Kleopatra nachgesagt wird.
Nun war der passende Name gefunden!
So weit zur Entstehung der BEX 104 Kleopatra. Man darf sich garnicht ausmalen, was bei den anderen (toten) Sämlingen wohl noch rausgekommen wäre.
Nun aber zu Ihrer Vererbungsgeschichte.
Wie oben angeführt ist eine ihrer Vorfahren die "Rosa Tulpe".
Und eben dies ist die Krux an der Geschichte. Diese ist derart dominant, daß bei unglaublich vielen Kleopatra Nachfahren eben dieses weiß-rosa durchkommt. Natürlich kopmmen auch farbige Hybriden hervor, aber eben nicht in Mengen wie es bei anderen Kreuzungen der Fall ist.
Seit ihrer Verbreitung sind etliche tausend Korn der Kleopatra ausgestreut worden. Mit Partnern unterschiedlichster Coleur bestäubt, oder selbst bei vielen Hybriden als Vater verwandt, erreichte noch nie ein einziger Sämling die Ausnahmeblüte der Kleopatra.
Aber irgendwann kommt eine noch dominatere Hybride als Partner hinzu, sodaß die Rosa Tulpe ins Abseits tritt, und dann wird ganz sicher eine neue Hybriden-Generation geboren, -die wie die Kleopatra selbst- Meilensteine in der Geschichte der Hybridenzucht setzen wird. Irgendwann.....
Zitat:
Zitat von
Bernhard
Gibt es denn nur EINE Pflanze, die immer wieder vegetativ vermehrt und verkauft wird ? Warum können nich zwei dieser Hybriden gekreuzt werden, die genetisch NICHT identisch sind ? Wenn das Erbgut stabil ist, dann sollte der Großteil der Nachkommen ja die selben Eigenschaften wie die Eltern haben. Nach ein paar Pflanzengenerationen sollte die Ausbeute und die Nachzucht groß genug sein.
@Bernhard
Unter Berücksichtigung der Mendelschen Vererbungsregeln ist die Hybridenkreuzung kein einfaches. Klar, wenn ich mit dem Pinsel durchs Gewächshaus laufe, und alles bestäube was eine offene Blüte hat, oder die Bestäubung den Hummeln überlasse, werde ich irgendwann auch ein paar tolle Blüten erreichen.
Will ich aber gezielt kreuzen, geht das mit den heutigen Hybriden fast garnicht mehr.
Hier mal die Mendel Regeln anhand 2 botanischer Echinopsen, die Eine mit weisser Blüte-, die Andere mit Roter.
Regel 1: Uniformitätsregel (Reziprozitätsregel)
gilt, wenn zwei Individuen der Elterngeneration (Parentalgeneration) sich in einem Merkmal unterscheiden, für das sie beide jeweils reinerbig (homozygot) sind. Die Nachkommen der ersten Generation ( Filialgeneration F1) sind dann uniform, also untereinander gleich (hinsichtlich des untersuchten Merkmals). Dies gilt für das außere Erscheinungsbild (Phänotyp) wie für die Erbausstattung (Genotyp). Dieser ist bei allen mischerbig (heterozygot). Es ist dabei völlig einerlei, welches der beiden Allele (Ausprägung eines Gens auf einem Chromosom) von jedem Elternteil vererbt wird. Dies nennt sich reziproke Kreuzung.
Für die Ausprägung des Merkmals gibt es zwei Möglichkeiten:
1.)die dominant- rezessive Vererbung
2.)die intermediäre Vererbung
Bei der dominant-rezessiven Vererbung haben alle F1-Generation-Mitglieder die gleiche Ausprägung wie einer der Elternteile. Als Beispiel bei den botanischen Kakteen sähe es so aus: die rote Blütenfarbe ist dominant gegenüber der weißen, diese wird somit als rezessiv bezeichnet. Kreuzt man nun reinerbige rotblühende mit reinerbige weißblühenden Individuen, tragen alle Mitglieder der F1-Generation ein Gen für weiß und ein Gen für rot. Sie sind demnach mischerbig (heterozygot). Weil rot gegenüber weiß dominant ist werden sie trotzdem alle rot blühen.
In der intermediären Vererbung haben die F1-Generationsmitglieder eine Mischform der elterlichen Merkmale.
Es gibt eine Ausnahme von dieser Regel, nämlich dann, wenn sich das Gen für ein untersuchtes Merkmal auf einem Gonosom (Geschlechtschromosom) befindet. Hier muss die F1-Generation nicht gleich sein.
Regel 2: Spaltungsregel (Segregationsregel)
gilt, wenn zwei Individuen die beide gleichartig heterozygot (also beide tragen die beiden Erbanlagen weiß und rot in sich), miteinander verkreuzt werden.
Etwa die F1-Generation der oben genannten botanischen Kreuzung des vorherigen Abschnitts. Die mendelschen Regeln beschreibt solche Nachkommen einer solchen mischerbigen Kreuzung, meist als F2- Generation (Enkelgeneration). Sie sind untereinander nicht mehr uniform, und spalten sich hinsichtlich der Ausprägung in Bezug auf die Merkmale auf.
Die Merkmale der Elterngeneration (siehe Regel 1) erscheinen hier wieder. Nehmen wir an es handelt es sich um eine dominant-rezessive Vererbung. Dann sind 25% der F1- Nachkommen reinerbig mit zwei rezessiven Erbanlagen
Die anderen 75% zeigen eine Ausprägung wie reinerbige Nachkommen mit zwei dominanten Erbanlagen. Diese 75% setzen sich zusammen aus reinerbigen (25%) und mischerbigen (50%) Nachkommen.
Bei intermediärer Vererbung weisen je 25% der Nachkommen eine der beiden reinerbigen Varianten, und 50% der Nachkommen die Mischform der 1. Generation auf.
Regel 3: Unabhängigkeitsregel / Neukombinationsregel
gilt bei der Kreuzung reinerbiger Individuen und deren Nachkommen mit 2 Merkmalen. Beide Merkmale werden unabhängig (siehe Regelname) voneinander vererbt, wobei ab der Enkel-Generation (F2) neue, reinerbige Kombinationen auftreten.
Diese Regel findet allerdings nur dann Anwendung, wenn sich die verantwortlichen Gene auf verschiedenen Chromosomen befinden. Oder auch dann, wenn sie zwar auf dem gleichen Chromosom liegen, aber so weit voneinander, dass sie während der Reifeteilung (Meiose) durch chromo****le Überkreuzung (Crossing over) regelmäßig in polygenen Erbgängen (getrennt voneinander) vererbt werden. Gene, die sich auf dem gleichen Chromosom nahe beieinander befinden, werden in Kopplungsgruppen vererbt. Dieses Phänomen tritt auf, weil es wesentlich mehr Gene als die haploide Chromosomenzahl gibt.
Diese Info gilt nur bei 2 botanischen Pflanzen und den daraus resultierenden Vererbungsgängen.
Jetzt stell dir mal vor, du kreuzt nun Hybriden miteinander, deren Eltern beide schon Hybriden sind, und deren Eltern auch, und die Eltern davor. So ist es nun mal heute Gang und Gäbe. Kannst Du dir vorstellen wieviele Neukombinationen es geben wird in den Blütenfarben. Das geht in die Millionen, und ist nicht mehr zu berechnen.
Wenn ich dies hier auch noch detailliert beschreiben würde, wird der Platz nicht ausreichen.
Du kannst solche Dinge aber ab dem 1. September auf meiner (dann) neuen HP nachlesen.
Hier findest Du dann auch Beispile etc. Das würde hier alles zu lang werden.
Ist vielleicht etwas viel Input, aber es gibt sicherlich Interessenten dafür, und aus eigener Erfahrung weiß ich, daß das Netz hierüber eigentlich keine befriedigende Auskunft gibt. Das ist auch ein Grund, weshalb ich solche Sachen auf meiner HP bekannt machen möchte.
Viel Freude beim Lesen.
Gruß Peter