Stichwort Strahlungsfrost
Hallo zusammen
Da der Winter vor der Tür oder auch schon im Türrahmen steht, möchte ich wieder einmal auf das Thema "Strahlungsfrost" aufmerksam machen.
Das Phänomen, das nicht einfach zu beschreiben ist, tritt vor allem in klaren, windstillen Winternächten auf. Und der Grund, warum ich das jetzt schreibe, ist der, dass aktuell bei uns dieses Phänomen gerade auftritt.
Bei mir ist es draussen momentan klar und windstill. Die Lufttemperatur beträgt +4,8°C. Es liegt momentan noch ein wenig Schnee (anfangs Woche gab es 5-10cm) und die Schneereste sind pickelhart gefroren, trotz der +4,8°C. Auch die Pflanzentriebe sind hart und glasig. Die Oberflächentemperatur der nach oben (zum Himmel) gerichteten Pflanzenteile (Blätter, Halme, Kakteenglieder;)) dürfte derzeit um -3 bis -5°C liegen, je nach Winkel.
Bei einer Lufttemperatur von -10°C und klarem Himmel und Windstille, da dürfte demnach die Oberflächentemperatur der Pflanzenteil gegen -20°C oder gar darunter absinken! Und -20°C ist für manche Arten schon kritisch. Immer wieder sehe ich zB. nach ein paar klaren, kalten Nächten, wie sich immergrüne Kirschlorbeerhecken ein paar Tage später beginnen, sich von oben her braun zu verfärben -> typisches Zeichen von Strahlungsfrösten.
Auch unsere Kakteen, die ungeschützt draussen stehen, erleiden dann den grössten Stress in ihren Zellen. Speziell dann, wenn auch noch grosse Temperaturschwankungen in kurzer Zeit auftreten. Nicht selten fragt man sich zu Beginn des Frühlings, warum auf einmal Triebe von gut harten Kakteen plötzlich wegfaulen...Strahlungsfröste können daran Schuld sein.
Liegt Schnee, dann ist das kein Problem. Schnee isoliert bestens. Liegt aber kein Schnee, ist es am besten, man wirft ein Vlies darüber. Damit kann man 10° Temperatur ohne grossen Aufwand gewinnen.
Für Intressierte sei dieser Artikel lesenswert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Atmosph...Gegenstrahlung
Grüsse, Uwe
Bilanz des Winters auf meinem Balkon
Von den erwachsenen Pflanzen haben überlebt (es war jeweils ein Exemplar draussen):
Ohne Schäden:
- Echinocereus coccineus v. rosei
- Echinocereus fendleri v. kuenzlerei SB187 (noch nicht sicher)
- Echinocereus reichenbachii (noch nicht sicher)
- Escobaria dasyacantha
- Escobaria hersteri
- Escobaria tuberculosa
- Escobaria vivipara v. bisbeeana DJF284
- Maihuenia poeppigii
Mit leichten Schäden:
- Acharagma aguirreanum
- Acharagma roseanum
- Escobaria lardoi
Mit schweren Schäden:
- Escobaria chihuahuensis
- Gymnocalycium gibbosum v. brachypetalum P101
- Thelocactus leucacanthus
- Thelocactus rinconensis
Nicht überleben werden:
- Echinopsis famatimensis WK127
- Gymnocalycium calochlorum
- Mammillaria theresae
Interessant ist bei den einjährigen Sämlingen, dass ausnahmslos alle (!) überlebt haben:
- Austrocactus patagonicus (5 Stück)
- Echinocereus reichenbachii (1 Stück)
- Escobaria robbinsorum (5 Stück)
- Escobaria villardii LZ285 (5 Stück)
- Gymnocalycium calochlorum (4 Stück)
- Sclerocactus intermedius (3 Stück)
... selbst der winzige G. calochlorum rechts im Bild hat keine Schäden davongetragen:
http://micha.freeshell.org/PDB/HTML/...chlorum_70.jpg
(66KiByte)
Gruß,
Micha